Bricquebec – le Foyer und Hameau au Pigeon

Rund 1,8 km östlich der ersten Häuser von Bricquebec befindet sich direkt an der Kreuzung D902/D579 (le Foyer) ein beeindruckendes Denkmal (GPS N49° 28' 55.373" W1° 35' 46.324"), das an die Besatzungen zweier in der Nähe von Bricquebec abgeschossener B-17 „Flying Fortress“ der United States Army Air Force erinnert. Ein Bomber der 544th Bomber Squadron wurde am 27. April 1944 im auf der Gemarkung des 2 km nördlich von unserem Standpunkt gelegenen Rocheville abgeschossen, alle 10 Besatzungsmitglieder fanden den Tod. 11 Tage später, am 8. Mai 1944 traf es eine weitere B-17, dieses Mal eine Maschine der 384th Bomber Group. Bei dem Abschuss dieses Bombers über der Gemarkung von Bricquebec kamen ebenfalls alle 10 Besatzungsmitglieder ums Leben.

Am Rand der heutigen D50 südlich von Bricquebec fiel am 18. Juni 1944 Generalleutnant Rudolf Stegmann, Kommandeur der 77. Infanterie-Division. Stegmann koordinierte an diesem Tag die Absetzbewegungen seiner Division in Richtung Süden, um nicht von den zur Westküste des Cotentin vorstoßenden US-Truppen im Nordteil des Cotentin abgeschnitten zu werden. Stegmanns Fahrzeug wurde von dem Piloten eines US-Jagdbombers entdeckt und angegriffen, Generalleutnant Stegmann wurde bei diesem Tieffliegerangriff von mehreren 2 cm Projektilen getroffen und tödlich verwundet. Sein Leichnam wurde am nächsten Tag von vorrückenden US-Einheiten in seinem völlig zerstörten Fahrzeug entdeckt. Generalleutnant Rudolf Stegmann fand seine letzte Ruhe auf dem Deutschen Soldatenfriedhof Orglandes (GPS N49° 25' 31.814" W1° 26' 53.848"), er liegt in Block 4, Grab 169.

Neben Generalleutnant Stegmann sind in Orglandes zwei weitere deutsche Generäle bestattet. Generalleutnant Wilhelm Falley, Kommandeur der 91. (Luftlande) Infanterie-Division wurde im Morgengrauen des 6. Juni in der Nähe seines Gefechtsstandes Château Bernaville von einer Gruppe amerikanischen Fallschirmjägern der 82nd Airborne Division unter der Führung von Lieutenant Malcolm D. Brannen getötet. Wilhelm Falley wurde zusammen mit seinem ebenfalls getöteten Adjutanten, Major Bartuzat, zunächst auf dem Gelände des Château Bernaville bestattet, bevor er auf den Soldatenfriedhof Orglandes umgebettet wurde. Falley letzte Ruhestätte befindet sich in Block 10, Reihe 2, Grab 207. Der dritte in Orglandes bestattete deutsche General ist Generalleutnant Heinz Hellmich, Kommandeur der 243. Infanterie-Division. Heinz Hellmich wurde in der Nähe von Canville-la-Rocque, 5 km östlich von Portbail, am 17. Juni ebenfalls bei dem Versuch, sich in Richtung Süden abzusetzen, während eines amerikanischen Tieffliegerangriff getötet. Generalleutnant Heinz Hellmichs Ruhestätte befindet sich in Block 22, Grab 216. Heinz Hellmich wurde am 4. Juli 1944 posthum das Ritterkreuz verliehen.

In Bricquebec wurde am 1. August 1944 ein Verbrechen verübt, das leider nicht das einzige seiner Art bleiben sollte: Vergewaltigung. Am diesen für die Beteiligten schicksalhaften Tag betraten die Privates Waiters Yancy und Robert Skinner, beide von der in der Nähe campierenden 1511th Engineer Water Supply Company, einer aus Afro-Amerikanern bestehenden Einheit, das Bauernhaus der Familie Hebert. Im Haus trafen sie auf die 19-jährige Hausmagd Marie Isouf und verlangten von ihr Cidre und Calvados zum Trinken. Nachdem die beiden Soldaten mehrere Gläser des stark alkoholhaltigen Getränkes hinunter gestürzt hatten verließen sie den Hof, kehrten aber bereits kurz Zeit später zurück, um mehr Calvados zu fordern.

Beide Männer folgten der Magd zu einer Scheune, in der die Heberts ihren selbstgebrannten Schnaps lagerten. In der Scheune schlug Skinner die Magd nieder und zerrte sie hinaus auf den Hof. Durch das Schreien der Magd alarmiert stürzte Madame Hebert herbei und wurde sogleich von Yancy mit dem Gewehr bedroht. Madame Hebert schlug Yancy das Gewehr aus der Hand und rannte zu ihren Nachbarn, Monsieur und Madame Mace, um Hilfe zu holen. Yancy setzte Madame Hebert nach und schoss Madame Mace in den Arm, als diese durch das Geschrei aufmerksam geworden ihr Haus verließ.

Xavier Hebert und sein 19-jähriger Angestellter Auguste Lebraillier, die durch das Geschrei ebenfalls alarmiert von einem nahen Feld herbei geeilt waren, wurden von Yancy bereits am Hofeingang niedergeschossen. Monsieur Hebert wurde in den Rücken getroffen und überlebte schwer verletzt, für seinen Knecht, Auguste, der einen Bauchschuss erlitt, kam jede Rettung zu spät. Er verstarb am folgenden Tag im 101st Evacuation Hospital.

Nachdem Yancy zu Skinner zurückgekehrt war, zerrte Skinner die Magd Marie in ein nahegelegenes Feld und vergewaltigte sie, während Yancy Wache stand. Dann wechselten sich die beiden ab.

Die beiden Gis wurden am 7. November in Cherbourg vor ein Kriegsgericht gestellt. Skinner wurde wegen Vergewaltigung, Yancy wegen Vergewaltigung, schwerer Körperverletzung und Mord zum Tode durch Erhängen verurteilt.

Die Vollstreckung des Urteils erfolgte am 10. Februar 1945 im Hof der Ferme des Galeries in dem nur wenige Häuser zählenden Weiler Hameau Pigeon (GPS N49° 28' 48.292" W1° 42' 14.44"), 5 km westlich von Bricquebec. Der Exekution wohnten die Opfer, deren Familien sowie Hunderte von Soldaten bei.

Neben der Exekution von Yancy und Skinner führte die US-Army im European Theater, d.h. den Kriegsschauplätzen Frankreich, Niederlande, Belgien, Luxemburg und Deutschland bis zum Ende des Krieges noch 69 weitere Exekutionen durch, davon allein 39 in Frankreich. Mit Ausnahme von Private Eddie Slovik, der am 31. Januar 1945 wegen Desertation erschossen wurde, wurden alle anderen Exekutionen wegen Mord und/der Vergewaltigung durchgeführt.