Generalleutnant von Schlieben war tatsächlich im Laufe des 25. Juni nach mehreren Hinweisen deutscher Kriegsgefangener in einem unterirdischen Bunkersystem im Stadtteil St-Sauveur von Einheiten des 39th IR aufgespürt worden. Es handelte sich hier um das Hauptquartier von Konteradmiral Hennecke, dem Seekom­mandanten Normandie, das aus zwei Stollen bestand. In dem einen Stollen war ein Hospital untergebracht, in der zweiten Galerie befand sich Henneckes Gefechtsstand. In den beiden überfüllten Stollen befanden sich neben 300 Schwerverwundeten noch knapp 700 kampffähige Soldaten aller Waffengattungen, die sich wie von Schlieben mit seinem Stab vor den anstürmenden Amerikanern dorthin gerettet hatten. Nachdem von Schlieben eine Aufforderung zur Kapitulation zunächst verstreichen ließ, warfen die Amerikaner Sprengladungen in die Ventilationsschächte des Bunkersystems, deren giftige Explosionsgase die im Inneren des Bunkers eingeschlossenen Deutschen bald zu ersticken drohten. Zeitgleich begannen M 10 Wolverine Jagdpanzer panzerbrechende Granaten auf die in den offenen Tunnelzugängen sichtbaren Stahltüren zu feuern, die den Zugang zum Inneren des Bunkersystems blockierten. Um 19:32 gab von Schliebens Stabschef einen weiteren Funkspruch durch:

„Letzter Kampf entbrannt. General kämpft bei der Truppe“. Die 7. Armee antwortete daraufhin: „Wir sind bei Ihnen“.

In der Nacht zum 26. Juni hielten die Deutschen noch aus, am Vormittag des 26. Juni wurde dann aber die Situation so brenzlig, dass von Schlieben sich zur Kapitulation entschloss. Ein letzter Funkspruch an die 7. Armee lautete:

„Dokumente und Unterlagen sind verbrannt, Geheimcodes sind zerstört“, danach brach die Verbindung ab.

Kurz nach 14:00 am 26. Juni verließen von Schlieben und Konteradmiral Hennecke zusammen mit ihren jeweiligen Stäben und weiteren 800 Soldaten, darunter die 300 Schwerverletzten, das unterirdische Bunkersystem und ergaben sich den Amerikanern. Major General Eddy forderte von Schlieben bei der Gegenüberstellung sofort auf, die ganze Garnison Cherbourg kapitulieren zu lassen. Von Schlieben verweigerte dies mit dem Argument, dass sein Kommunikationsnetz zusammengebrochen war und er, selbst wenn er wollte, seinen noch kämpfenden Truppen keinen Kapitulationsbefehl erteilen könnte. Als Major General Collins Generalleutnant von Schlieben anbot, ihm die notwendigen technischen Einrichtungen zur Verfügung zu stellen, weigerte sich der deutsche General dennoch, den allgemeinen Kapitulationsbefehl an alle ihm unterstellten deutschen Trupen zu geben.

Von Schlieben und Admiral Hennecke wurden anschließend in das Hauptquartier von Major General Collins, dem Château de Servigny bei Yvetot-Bocage, gebracht, wo von Schlieben erst die offizielle Kapitulationsurkunde unterzeichnete und dann befragt wurde. Anschließend wurden die beiden deutschen Generäle für weitere Befragungen in das Hauptquartier von Lieutenant General Omar Bradley gebracht. Bradley versagte jedoch von Schlieben das nach der Gefangennahme hochrangiger Befehlshaber normalerweise übliche gemeinsame Essen mit den Worten:

„Hätte der Bastard vor vier Tagen kapituliert, hätte ich ihn zum Abendessen eingeladen. Jetzt aber, da er uns einen Haufen Menschenleben gekostet hat – Hölle, nein!“

Nachdem Generalleutnant von Schlieben sich beharrlich geweigert hatte, alle in Cherbourg noch kämpfenden deutschen Truppen zu kapitulieren, trieb das 39th IR seinen Angriff weiter in Richtung Stadtmitte vor und nahm dort die Kapitulation eines Obersten und weiterer 400 deutschen Soldaten entgegen, die sich im Rathaus verschanzt hatten. Der deutsche Oberst erteilte den Befehl, die Waffen zu strecken jedoch erst, als er von der Kapitulation Generalleutnant von Schliebens erfahren hatte.

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